Halbmond vor schwarzem Nachthimmel

Am zweiten Tag wollten wir endlich etwas mit unserem Teleskop beobachten. Schnell stellten wir jedoch fest, dass man sich zunächst zumindest ein wenig mit der Technik beschäftigen muss.

Als ich mir das Celestron AstroMaster 130 ausgeliehen hatte, fiel mir auf, dass leider keine Okulare dabei waren. Okulare sind die kleinen Linsen, die in den Okularauszug – also das seitlich am Teleskop angebrachte Rohr – eingesetzt werden. Je nach Brennweite vergrößern sie das Bild unterschiedlich stark.

Da ich anfangs noch nicht wusste, welche Brennweite für unsere Beobachtungen am sinnvollsten ist, habe ich mir kurzerhand ein Zoom-Okular besorgt. Mir war zwar bewusst, dass feste Okulare meist die bessere Bildqualität bieten, für den Einstieg erschien mir ein verstellbares Okular aber deutlich praktischer.

Wo ist der Mond?

Tagsüber stellten wir das Teleskop auf die Terrasse. Es war warm und sonnig, doch den Mond kann man oft auch am Tag beobachten. Als erstes Testobjekt schien er uns ideal. So konnten wir in aller Ruhe alles ausprobieren, ohne nachts im Dunkeln erst herausfinden zu müssen, wie das Teleskop funktioniert.

Das war im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, denn sonst wäre unsere erste Beobachtungsnacht wahrscheinlich ziemlich enttäuschend verlaufen.

Zunächst richteten wir das Teleskop gar nicht richtig aus. Eigentlich sollte man eine äquatoriale Montierung sorgfältig einnorden, aber zum Testen wollten wir einfach nur den Mond ins Visier nehmen. Zumindest war das der Plan.

Ohne den Rotpunktsucher vorher einzustellen, war das allerdings schwieriger als gedacht. Selbst der große Mond ist am hellen Tageshimmel nur schwach zu erkennen und deshalb durch das Teleskop gar nicht so leicht zu finden. Mit etwas Geduld hätten wir ihn vermutlich entdeckt, aber uns wurde schnell klar: Wenn wir schon den Mond kaum finden, werden wir nachts erst recht keine Nebel, Sternhaufen oder Galaxien entdecken.

Der nächste Schritt war also klar: Den Sucher mussten wir zuerst richtig einstellen.

Erst einmal einen funktionierenden Sucher finden

Doch schon folgte die nächste Enttäuschung. Der montierte Rotpunktsucher funktionierte nicht – auch nicht nach einem Batteriewechsel. Also musste zunächst Ersatz her.

Zum Glück fand ich schnell ein baugleiches Modell für etwa 30 Euro und bestellte es. Nach der Lieferung wollten wir den neuen Sucher sofort ausprobieren. Dabei bemerkten wir noch einen weiteren Fehler: Der alte Sucher war falsch herum montiert gewesen. Wir hatten also die ganze Zeit durch die falsche Seite geschaut.

Ein Rotpunktsucher funktioniert ganz einfach: Eine kleine LED projiziert einen roten Punkt auf eine Glasscheibe. Schaut man durch die richtige Seite hindurch, scheint dieser Punkt direkt am Himmel zu schweben und zeigt an, wohin das Teleskop ausgerichtet ist.

Der ursprüngliche Sucher war trotzdem defekt. Also montierten wir den neuen – und damit funktionierte alles auf Anhieb deutlich besser.

Der Dachgiebel als Testobjekt

Um den Rotpunktsucher einzustellen, suchten wir uns ein möglichst weit entferntes Ziel in der Landschaft. In unserem Fall war das ein Dachgiebel in etwa 100 Metern Entfernung. Noch besser eignen sich allerdings Objekte, die mehrere hundert Meter oder sogar Kilometer entfernt sind, zum Beispiel ein Kirchturm oder ein Schornstein.

Zuerst sucht man das Ziel durch das Teleskop. Dabei verwendet man zunächst die kleinste Vergrößerung – also ein Okular mit großer Brennweite oder, wie in unserem Fall, die niedrigste Einstellung des Zoom-Okulars. Anschließend richtet man das Teleskop so aus, dass sich das Ziel genau in der Mitte des Bildes befindet. Danach kann man die Vergrößerung erhöhen, um das Ziel noch genauer zu zentrieren.

Dachgiebel in der Mitte des Bildes anvisieren.
So gut es geht, mit einer großen Vergrößerung in die Mitte des Teleskops bringen.

Jetzt schaut man durch den Rotpunktsucher und verstellt die Einstellschrauben so lange, bis der rote Punkt genau auf das gleiche Ziel zeigt. Ist alles richtig eingestellt, bleibt der rote Punkt auch dann auf dem Ziel, wenn man den Kopf leicht bewegt. Genau das macht einen Rotpunktsucher so praktisch.

Durch den Rotpunktsucher schauen, und den roten Punkt durch drehen der Justierschrauben, genau auf den Dachgiebel ausrichten.

Nun konnten wir den Ablauf so testen, wie wir ihn später nachts verwenden würden. Wir lösten die Klemmungen der Montierung und richteten das Teleskop mithilfe des Rotpunktsuchers auf den Mond aus. Anschließend fixierten wir das Teleskop und blickten durch das Okular. Mit etwas Nachfokussieren erschien der Mond schließlich deutlich im Sichtfeld.

Da wir die Montierung noch nicht eingenordet hatten, wanderte der Mond allerdings schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Bild. Deshalb mussten wir das Teleskop ständig von Hand nachführen. Ganz vermeiden lässt sich das zwar nie, aber mit einer korrekt ausgerichteten äquatorialen Montierung wird das Nachführen später deutlich einfacher.

Jetzt mussten wir nur noch auf eine klare Nacht mit guten Beobachtungsbedingungen warten. Da der Mond zurzeit nachts nicht zu sehen ist, suchten wir uns schon einmal drei spannende Beobachtungsziele aus: den Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules, den berühmten Doppelstern Albireo im Schwan und den Ringnebel M57 im Sternbild Leier.

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